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SVP - Südtiroler Volkspartei | 10.05.2018 | 16:17

Selbstverantwortlicher Respekt vor der Natur

Der Beschlussantrag zum Feldschutz von Maria Hochgruber Kuenzer (siehe unten) hat im Südtiroler Landtag eine breite Zustimmung erhalten. In der regen Diskussion in der Aula wurden von allen Seiten ganz unterschiedliche Aspekte vorgebracht, worauf der Feldschutz abzielen soll.

Maria Hochgruber KuenzerZoomansichtMaria Hochgruber Kuenzer

„Es herrscht augenscheinlich ein breites Bewusstsein dafür, dass sich auf freier Flur viele Personen mit zu wenig Respekt auf den Wiesen, Wäldern und Feldern, aber auch gegenüber der bäuerlichen Produktion verhalten,“ resümiert die Landtagsangeordnete.

Hochgruber Kuenzer ist es wichtig hervorzustreichen: „Natürlich sollen sich Freizeitsuchende auch in Zukunft in der Landschaft frei bewegen können. Mir geht es um ihre Eigenverantwortlichkeit.“ Der Feldschutz soll zum Ziel haben, dass nicht unwillkürlich der Eigentümer die Schäden der Allgemeinheit und auch nicht von einzelnen Personen beheben soll. „Ich stell mir die Einführung des Verursacherprinzips vor: Wer Schäden verursacht, soll dafür gerade stehen, unabhängig davon, ob der Feldfrevel auf privaten oder auf öffentlichen Liegenschaften begangen wird,“ so Maria Hochgruber Kuenzer. Öffentliche Flächen sollen vom Feldschutz gleichermaßen geschützt werden wie private.

Für die Entfernung von Hundekot müssen Hundehalter verantwortlich sein. Grasnarben, die von Freizeitsportlern, verbrannter Boden nach einem Lagerfeuer, achtlos Weggeworfenes sollen von den Verursachern verantwortet werden.

 „Wichtig ist, dass es mehr Verständnis für die Spuren gibt, die Menschen in der Natur hinterlassen,“ sagt Hochgruber Kuenzer, „und je breiter eine Gesetzesinitiative das Bewusstsein dafür schärft, desto weniger muss mit Sanktionen angedroht werden. Denn wer mich kennt weiß: Ich stehe nicht gern für Verbote ein, aber für Selbstverantwortlichkeit und gegenseitigem Respekt.“

Der Beschlussantrag wurde von einer großen Mehrheit angenommen: Die Landesregierung hat damit den Auftrag erhalten zu prüfen, ob Südtirol ein Feldschutz-Gesetz erhalten soll – angeregt vom Gesetz der Nachbarn in Nordtirol, umgesetzt auf Südtiroler Bedürfnisse.

 

Maria Hochgruber Kuenzer

Im Anhang: Der Beschlussantrag

 

Beschlussantrag
Gesetz für Feldschutz

Es gibt viele Perspektiven auf unsere Natur- und Kulturlandschaften. Ihr Schutz wird als Allgemeingut betrachtet. In die Diskussion einzubringen ist auch die Rolle der Grundeigentümer. Das sind Bäuerinnen und Bauern, aber nicht nur.

Wer eine gepflegte Landschaft haben will, braucht Eigentümer, die ihren Grund pflegen. Wer einheimische Nahrungsmittel konsumieren will, braucht Produzenten, die ihren Kulturgrund bearbeiten und instand halten, nicht zuletzt damit die Qualität der Ernte den Erwartungen entspricht.

Es ist längst nicht so, dass Grundbesitzer die alleinigen Nutzer von ihrem Eigentum sind. Überall gibt es mit Grund und Boden Berührungspunkte mit der Allgemeinheit. Und Begehrlichkeiten.

  • Ein Netz an Verkehrsachsen durchzieht die Landschaft.      Entlang von Straßen und Wegen finden sich achtlos weggeworfene Abfälle und      Unrat genauso wie Rollsplitt, der im Winter zur Fahrsicherheit gestreut      wird.
  • Wiesen, Wälder und Felder säumen unsere Ortschaften.      Haustiere suchen den Auslauf, das Hunde- und Katzenklo ersparen sich die      Halter, aber der Hunde- und Katzenkot liegt im Freien herum. Überhaupt werden      Küchen- und Garten-Abfälle bis hin zu Asche von BürgerInnen gern auf den      Feldern ausgetragen, weil vermeintlich „der Boden das da eh verarbeitet“.
  • mittendrin tummeln sich Freizeitsuchende. Wer auf und      zwischen den Wiesen, Wäldern und Feldern geht, fährt, reitet, Feuer      entzündet, Haustieren freien Lauf lässt, hinterlässt unwillkürlich Spuren.

Landschaftspflege bedeutet, diese Spuren zu beseitigen. Kulturgrundpflege bedeutet zudem, die Produktion von Lebensmitteln und Futter von solchen Spuren nicht verunreinigen zu lassen: Welcher Konsument möchte Nahrungsmittel aus verschmutzten Böden?

Unsere Nachbarn in Nordtirol haben die Verantwortungen zur Nutzung der Böden gesetzlich geregelt: mit dem Feldschutzgesetz 2000.

Als Feldgut zu betrachten sind

  • Wiesen, Almen, Gärten, Äcker, Wege und Bringungsanlagen      und Gräben, aber auch Anlagen in der Fischzucht,
  • darauf errichtete Infrastrukturen wie Be- und      Entwässerungsanlagen, Milchleitungen, Schupfen, Bienenhäuser, Zäune,      Mauern, Hecken und
  • darauf befindliche Güter wie Getreide- und Heuballen,      Bäume, Sträucher, Stecklinge, Erde, Rasen mit den entsprechenden Samen,      Früchten, Laub u.ä.

Der Schadensfall wird im Gesetz der Tiroler Feldfrevel genannt. Wer auf Feldern fährt, reitet, zeltet, Feuer anzündet oder seinen Haustieren freien Lauf lässt, hinterlässt Grasnarben, umgefahrene Zäune oder Mauern, Müll, Hundekot – Feldfrevel eben.

Ein Schaden macht sich nicht nur daran fest, wenn Feldfrüchte, ob Obst oder Gemüse, gestohlen werden, wenn sich durch offene Gatter Weidetiere verlaufen.
Wer sammelt den Müll und den Hundekot ein? Wer baut die Mauer neu oder repariert den Zaun? Wer behandelt die Grasnarbe nach einem unkontrollierten und unerlaubten Lagerfeuer oder auf einer Downhill-Strecke?

Auch Forststraßen und Feldwegen entlang privater Gründe machen den Eigentümern oft zu schaffen: Oder wer sonst räumt auf Gemeinde- und Landesstraßen den Rollsplitt weg, der sich nach der Schneeschmelze weit in die Felder verstreut hat?

Dies vorausgeschickt, verpflichtet der Südtiroler Landtag die Landesregierung,

  1. auf Basis des Tiroler Feldschutzgesetzes zu überprüfen, inwieweit eine entsprechende Gesetzesinitiative für Südtirol umsetzbar ist.
  2. zu überprüfen, wie der Anbau von Nahrungsmitteln und Futter vor Verunreinigungen, z.B. von Haustierkot, Abfällen, Rollsplitt usw. und vor Verwüstungen geschützt werden können.
  3. zu überprüfen, wie die Verantwortungen derart geregelt werden können, dass sie klar zwischen Grundbesitzer und Schadensverursacher fair und gerecht aufgeteilt werden, unabhängig davon, ob es sich dabei um private oder öffentliche Verursacher handelt.

 


(SVP)