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| 09.02.2012 | 14:55

Medien und Wahlkampf

Medientagung in der Eurac am 8. Februar 2012

Die Hauptreferenten der MedientagungZoomansichtDie Hauptreferenten der Medientagung

Zu seinem 10jährigen Bestehen (aufgrund des Landesgesetzes vom 18. März 2002, Nr. 6) lud der Landesbeirat für Kommunikationswesen am 8. Februar zu einem Diskussionsabend in der Eurac ein.

Zur Diskussion stand das Medienverhalten in Italien, Deutschland und Österreich während der Wahlkampfzeit. Die vier Hauptreferenten waren Nicola D’Angelo, Kommissar der Aufsichtsbehörde für das Kommunikationswesen, Klaus Bresser, langjähriger ZDF-Chefredakteur, Franz Kössler, jahrelang Chef von „Zeit im Bild“-ORF und Roberto Natale, Präsident der italienischen Journalistengewerkschaft. Die Diskussionsrunde vervollständigten die Chefredakteure der hiesigen Medien: Robert Asam, Sender Bozen der Rai, Davide Bucci, „Video 33“, Toni Ebner, „Dolomiten“, Alberto Faustini, „Alto Adige“, Maurizio Ferrandi, Rai Bolzano, Enrico Franco, „Corriere della Sera“, Arnold Tribus, „Südtiroler Tageszeitung“.

Das Thema der Tagung lautete: „Medien im Wahlkampf: Macht oder Ohnmacht?“ In der Beantwortung dieser Frage ergaben sich zahlreiche Übereinstimmungen zwischen den Diskussionsteilnehmern: die Glaubwürdigkeit der Politik habe in letzter Zeit sehr gelitten; die gegenseitige Abhängigkeit von Politik und Medien führe oft zu Interessenskonflikten; die Grenze zwischen seriöser Information und seichter Unterhaltung verwische sich („talk shows“), besonders im Fernsehen, immer mehr; die Medienlandschaft stehe durch die immer stärkere Internetnutzung in einem tiefgreifenden Strukturwandel; grundsätzlich sei es wichtig, die unterschiedlichen Aufgaben von Politik und Medien nicht außer Acht zu lassen; eine negative Entwicklung liege in der immer stärkeren Personalisierung der Berichterstattung. In all diesen Fragen herrschte weitgehende Übereinstimmung. In der Beurteilung des sog. „par-condicio“-Gesetzes gingen die Meinungen allerdings eindeutig auseinander. Bresser und Kössler halten eine solche gesetzliche Regelung für nicht sinnvoll. Ihrer Meinung nach müsste, wie es in Österreich und Deutschland der Fall ist, die politische Berichterstattung ohne eigene Gesetzeseinschränkungen erfolgen. D’Angelo und Natale hingegen halten das „par-condicio“-Gesetz für das kleinere Übel, denn nach ihrer Meinung würde die Medienlandschaft Italiens ohne gesetzliche Einschränkung zu einem „wilden Westen“ ausarten.

Insgesamt waren alle vier Diskussionsbeiträge von, wie es ein Teilnehmer formulierte, Selbstkritik und einem leichten Pessimismus über die zukünftige Medienentwicklung gekennzeichnet. In den Wortmeldungen der hiesigen Chefredakteure wurde, neben den oben erwähnten Aspekten, mehrfach auch darauf hingewiesen, dass durch die noch stärkere Nähe zwischen Politikern und Medienleuten („jeder kennt jeden“) manche Problematik sich verschärft. Allerdings sei in der Südtiroler Medienlandschaft seit einiger Zeit einerseits die kritische Berichterstattung gestiegen und andererseits eine gewisse Öffnung zu beobachten.

Mit einer kurzen Diskussion zwischen Publikum und Referenten endete der gut besuchte Diskussionsabend.


(AM)