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Landtag | 02.09.2020 | 16:52

Heldinnen und Opfer – Anhörung von Monika Hauser im IV. Gesetzgebungsausschuss

Die doppelte Laste der Frauen und die Auswirkungen von Covid auf häusliche Gewalt waren Themen einer Anhörung der Gründerin von „medica mondiale“ und Trägerin des Alternativen Nobelpreises.

Dr. Monika Hauser vor dem Gesetzgebungsausschuss (Foto: Landtag/Werth)ZoomansichtDr. Monika Hauser vor dem Gesetzgebungsausschuss (Foto: Landtag/Werth)

Die Coronakrise war und ist auch eine besondere Krise für die Frauen. Dies hat heute Monika Hauser – Gynäkologin, Gründerin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale und Trägerin des als Alternativer Nobelpreis bekannten Right Livelihood Award 2008 – den Mitgliedern des IV. Gesetzgebungsausschusses mit Berichten und Zahlen dargelegt.

Für die Frauen ist die Krise eine doppelte Belastung, in der Familie und im Beruf. Von den systemrelevanten Berufen – in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen u.a. – war in den letzten Monaten viel die Rede. 75 Prozent dieser Berufe werden von Frauen ausgeübt, und gerade in diesen Berufen ist der Gender Gap, die Gehaltsschere zwischen Frau und Mann, mit 31 Prozent besonders hoch. Hauser betonte, dass in diesem Bereich durchaus Handlungsspielraum für die Politik bestehe. Auch die während der Krise verbreitete Kurzarbeit traf besonders die Frauen – mit entsprechenden Einschnitten bei der Rente.

In Krisenzeiten nimmt auch die häusliche Gewalt zu. Laut Statistiken, die Hauser vorlegte, wurde jede dritte Frau in Europa Opfer häuslicher Gewalt. 2014 waren es 62 Millionen Frauen, und diese Zahl hat zugenommen. Als Hintergrund sieht Hauser die patriarchalischen Strukturen, die noch viele Länder prägen, und den täglichen Sexismus. Hier sei Bildungsarbeit wichtig, auch bei Jungen, Väter müssten ihren Söhnen Respekt vor den Frauen lehren. Ein weiteres Problem sei auch die häufige Straflosigkeit häuslicher Gewalt bei Gericht. Hauser drängte auf di Umsetzung des europäischen Übereinkommens zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Gewalt an Frauen habe schließlich nicht nur menschenrechtliche Aspekte. In Südtirol könne man die Kosten für Gewalt an Frauen – Polizei, Gericht, Arbeitsausfall u.a. – auf 21 Mio. Euro pro Jahr schätzen.

Ulrike Oberhammer, Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit, legte Zahlen zum Femizid vor: 2018 sind in Italien 142 Frauen wegen ihres Geschlechts getötet worden, 5 davon in Südtirol, was im Verhältnis dem Vierfachen entspricht. Für 2020 zeichnet sich aufgrund der bisherigen Daten eine noch höhere Zahl ab.

Anschließend antwortete Hauser, die als Tochter von Vinschger Eltern auch die Südtiroler Situation bestens kennt, auf die Fragen der Abgeordneten.


(AM)