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Gleichstellungsrätin

Gleichstellungsrätin | 29.04.2021 | 15:07

1. Mai: Internationaler Tag der Arbeiterinnen und Arbeiter

Pandemie bremst Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ein – Frauennetzwerk stellt Forderungen

Am ersten Mai, dem Tag der Arbeit, wird weltweit an die Rechte der Arbeitstätigen erinnert. Diesen Tag nutzt ein Netzwerk von Organisationen, um auf die Folgen der Pandemie auf die weibliche Erwerbstätigkeit und Chancengleichheit aufmerksam zu machen.

Bereits früh war klar, dass die Covid-19-Pandemie einen negativen Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen haben. Das unter dem Phänomen „She-cession“ bekannte Phänomen hat die zögerlichen Errungenschaften in puncto Geschlechtergleichstellung um Jahrzehnte zurückgeworfen.

Die Manpower Group hat weltweit eine Untersuchung in 15 verschiedenen Ländern mit einer Stichprobe von 14.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Frauen nicht nur kurzfristig sondern auch langfristig die größten Einbußen haben werden. Die Sektoren, die am meisten davon betroffen sind, sind die Bereiche Gastgewerbe- und Tourismus, Verwaltung, Reiseveranstalter, Detailhandel und Unterhaltung. In der Pandemie hat es auch Bereiche gegeben, in denen die Nachfrage an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angestiegen ist. Diese sind vor allem im High-Tech-Bereich zu finden, in dem erfahrungsgemäß der Anteil an männlichen Mitarbeitern dominant ist. Auch wenn die Daten von Land zu Land variieren, gibt es eine Konstante: In allen Ländern sind es vorwiegend Frauen, die ihre Arbeit verloren haben.

Die Pandemie hat Hemmfaktoren weiblicher Erwerbsarbeit offengelegt und verstärkt. So hat die ungleiche Aufteilung unbezahlter Familienarbeit in Pandemiezeiten zugenommen. 56 Prozent der Frauen bestätigen, im Vergleich zu 51 Prozent der Männer, dass die Zeit für Kinderbetreuung zugenommen hat. Bei der Hausarbeit sind es 60 Prozent der Frauen, die von einer Zunahme derselben berichten. Und obwohl Studien aufzeigen, dass Frauen in Führungspositionen, besonders in Pandemiezeiten, eine gute Performance zeigen und sie ein zusätzlicher Wert für das Unternehmen sind, ist die Anzahl weiblicher Führungspersonen gering. Damit zusammenhängend ist auch der Gender Pay Gap, der geschlechterspezifische Lohnunterschied, zu nennen. Auch dieser eine Folge komplexer struktureller Bedingungen, die Frauen benachteiligen. Diese strukturelle Bedingungen und eine frauenfeindliche Unternehmenskultur führen auch dazu, dass Frauen, häufiger als ihre männliche Kollegen, Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz sind.

Die Pandemie hat mit jeglicher Vehemenz die geschlechtliche Ungleichstellung am Arbeitsplatz und den daraus resultierenden Handlungsbedarf aufgezeigt. Die unterzeichnenden Organisationen nutzen den 1. Mai um klare Forderungen zu stellen.

  1. Chancengleichheit am Arbeitsmarkt als Querschnittsaufgabe etablieren und Maßnahmen zur Förderung der weiblichen Erwerbstätigkeit auf die politische Agenda setzen.
  2. Strukturelle Bedingungen, die unterschiedliche Arbeitsbedingungen zur Folge haben, systematisch abbauen.
  3. Schließung der Lohn- und Rentenschere.
  4. Gerechte und bessere Bezahlung für Frauenberufe, die oftmals durch eine schlechtere Bezahlung gekennzeichnet sind.
  5. Unbezahlte Familienarbeit lastet großteils auf den Schultern von Frauen. Maßnahmen zur Reduzierung des Gender Care Gaps müssen umgesetzt werden und somit der Retraditionalisierung der Rollenbilder entgegenwirken.
  6. Öffentliche Infrastruktur zur Kinderbetreuung und Pflege muss ausgebaut werden.
  7. Programme zur Überwindung von Geschlechterstereotypen müssen systematisch umgesetzt werden.
  8. Finanzbildung muss bei Frauen frühzeitig ansetzen.
  9. Digitaler Wandel muss einhergehen mit der Förderung der digitalen Kompetenz bei Frauen.

Die unterzeichnenden Organisationen/Institutionen:

  • Gleichstellungsrätin Michela Morandini,
  • Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen, Präsidentin Ulrike Oberhammer,
  • Beirat zur Förderung des weiblichen Unternehmertums, Präsidentin Marina Rubatscher Crazzolara,
  • Allianz für Familie, Vorsitzende Christa Ladurner,
  • Rete Donna Economia – Vorsitzende Letizia Lazzaro
  • Katholischer Verband der Werktätigen KVW, Landesvorsitzende der Frauen Helga Mutschlechner Holzer,
  • Katholischer Familienverband Südtirol KFS, Präsidentin Angelika Weichsel-Mitterrutzner
  • Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Landesbäuerin Antonia Egger,
  • Wnet networking women, Präsidentin Marlene Rinner,
  • ASGB – Autonomer Südtiroler Gewerkschaftsbund, Vorsitzender Tony Tschenett

(GSR)