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Gleichstellungsrätin

Gleichstellungsrätin | 21.04.2021 | 18:07

Corona-Pandemie verschärft geschlechterspezifische Lohnlücke

Gleichstellungsrätin Morandini zum Equal Pay Day am 23. April: "In Südtirol liegt die Differenz bei über 20 Prozent."

Der Equal Pay Day fällt heuer in Südtirol auf den 23. April. Vor 10 Jahren hat der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen diesen Tag in Südtirol eingeführt. Dieser Aktionstag macht darauf aufmerksam, dass Frauen weltweit und branchenübergreifend weniger als Männer verdienen und zeigt den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern auf. Der Gender Pay Gap beträgt in Europa 14.8 Prozent. Dieses Lohngefälle während der aktiven Arbeitsphase verdoppelt sich in der Rente, in Europa auf 30.1 Prozent. 

In Südtirol liegt laut Daten des Arbeitsförderungsinstituts AFI, die auf Grundlage von NISF-Daten ausgearbeitet wurden, der Gender Pay Gap im Privatsektor auf Jahresbasis bei 28.3 Prozent, im öffentlichen Sektor liegt dieser bei 20.2 Prozent. Im italienweiten Vergleich liegt Südtirol mit einem Gender Pay Gap auf Tagesbasis von 17.0 Prozent an dritthöchster Position. 

Ziel des Equal Pay Days ist es alljährlich auf diesen Missstand hinzuweisen. Er ist die Folge eines gesellschaftlichen Ungleichgewichtes mit einer Vielfalt an Ursachen. Es sind besonders einige Faktoren, die sich das Lohngefälle auswirken. Frauen fehlen, obwohl statistisch gesehen besser ausgebildet als Männer, in manchen Berufen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter. Zudem unterbrechen und/oder reduzieren Frauen häufiger ihre Arbeitszeit. Ein weiterer Grund ist, dass frauentypische Berufe weiterhin unterdurchschnittlich bezahlt werden und gängige Rollenstereotype die Berufswahl und die Förderung von Frauen beeinflussen.  

„Der Gender Pay Gap ist eine der stärksten Formen indirekter Diskriminierung von Frauen. Indirekt deshalb, weil gesellschaftliche Bedingungen sich direkt auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen auswirken“, so Gleichstellungsrätin Michela Morandini. Dies beginnt bereits vor Eintritt in den Arbeitsmarkt. So z. B. durch die Bildungs- und Berufswahl, die familiäre Sozialisation, vorherrschende Geschlechterstereotype und sich daraus ergebende Erwartungen an das jeweilige Geschlecht.

„Die Corona-Pandemie hat sich stark auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen ausgewirkt, die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern haben sich verstärkt, zu ungunsten der Frauen“, so Morandini. Dies belegt auch der Global Gender Gap Report des World Economic Forum 2020. Im Bereich der Arbeit wird es laut neuesten Erkenntnissen 267.7 Jahre dauern bis sich die Lücke zwischen den Geschlechtern schließt. 

Laut Gleichstellungsrätin Morandini hat die Pandemie jedoch nur ein Brennglas auf das bereits bestehende Problem geworfen. „Spätestens jetzt muss man sich fragen, was Gleichstellungspolitisch versäumt wurde und Maßnahmen anregen, die der strukturellen Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt vorbeugen oder dann greifen, wenn diese auftreten“, so Morandini. 

Dazu gehören laut Morandini unter anderem die Umsetzung einer bereichsübergreifenden Gleichstellungspolitik, die Reduzierung von Geschlechterstereotypen, die Förderung der Karriereperspektiven von Mädchen und Frauen und die Schaffung von familienfreundlicher Strukturen und Unternehmen. 

Dass es noch einige Equal Pay Days braucht ist Gleichstellungsrätin Morandini bewusst, allerdings geht sie davon aus, dass die Pandemie auf schmerzvolle Weise Allen klar gemacht hat, dass die Ungleichstellung der Geschlechter für eine zivile Gesellschaft nicht mehr tragbar ist. 

(AM)