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Nairobi, Kenia. Samstag 20. Jänner 2007

Ein Friedensmarsch eröffnet das Weltsozialforum. Die Protagonisten sind Afrika und die afrikanischen Frauen.
Von Kibera aus, dem größten Slum von Nairobi mit seinen 800.000 Einwohnern, ging der Friedensmarsch, der das 7. Weltsozialforum eröffnete. 30.000 Menschen marschieren drei Stunden lang durchs Zentrum von Nairobi, von Kibera bis zum Uhuru-Park ("Unabhängigkeit"), und eines fällt sofort auf: Es ist das Forum Afrikas und der Afrikaner, das Forum, an dem tausende von afrikanischen Nichtregierungsorganisationen teilnehmen, an dem Afrika sich dem Gewissen der Welt zeigt. Hunderte von Delegationen aus Europa, Amerika (wobei besonders der brasilianische Präsident Lula hervorsticht) und Asien (vor allem aus Indien). Italien stellt die stärkste unter den europäischen Delegationen - und inmitten sind wir aus Bozen, während das Brixner Filmteam Helios den ganzen Zug durchläuft, um das Ereignis zu dokumentieren.

Riccardo Dello Sbarba in Nairobi

Es ist das Forum der afrikanischen Frauen: Es sind nämlich die Frauen, die in diesem von Krieg und Diktaturen geschundenen Kontinent die Aufgabe übernehmen, die sozialen Bindungen aufrecht zu erhalten, die Verwundeten zu pflegen, das Wasser - ein seltener Rohstoff hier - zu bringen, das die Familien brauchen, die von den Kriegsherrn ausgbeuteten Kinder zu ernähren und zu beschützen. Die Protagonistinnen des Friedensmarsches sind sie, tausende stolze, selbstbewusste, energische und resolute Frauen, die Frauen, die zum Kampf gegen Aids aufrufen, jene Krankheit, die diesen Kontinenten verwüstet hat. Und sie verlangen kostenlose Medizin und ärztliche Hilfe. Die Bäuerinnen, die fordern, dass ihre Landwirtschaft nicht von Gentechnik und Monokulturen zerstört wird, die ihnen der Westen aufdrängt. Die Frauen, die das Recht jedes Menschen auf Wasser einfordern, auf jenes Allgemeingut, das nicht als Ware missbraucht werden darf, wie es die Regierungen tun, die die Quellen und die Leitungen privatisieren und an die multinationalen Konzerne Europas und Amerikas verkaufen. Die Frauen von der Öko-Bewegung, die gegen das Plastik kämpfen - "Verwenden wir die Körbe für den Einkauf" - und für die traditionelle Landwirtschaft. Die Frauen, die ihr Recht auf Freiheit einfordern und nicht Privatbesitz der Männer sein wollen, die gegen die sexuelle Verstümmelung kämpfen und gegen jede Diskriminierung, auch gegenüber Homosexuellen. Die "Women for Peace", die Frauen für den Frieden, eine internationale Organisation, die in ganz Afrika vertreten ist, um die Gewalt zu stoppen und eine gewaltfreie Lösung der Konflikte zu suchen.
Die riesige Menschenmenge ist am wunderschönen Uhuru-Park angekommen, dessen Namen an die Unabhängigkeit des Landes erinnern soll und der für einen Tag der Ort der Unabhängigkeit der Zivilgesellschaft ganz Afrikas geworden ist. Unter dem großen Podium, wie bei einer Olympiade des Friedens und der Gerechtigkeit, marschieren die "Mannschaften" jenes Afrikas, das für seine Befreiung kämpft, alle zeigen ihre Spruchbänder und ihre Farben, und allen wird applaudiert. Auf dem Podium endet jede Rede mit dem Motto: "Another World is possible". Eine andere Welt, ein anderes Afrika ist möglich.Dann bringt ein mitreißender Suaheli-Rap die dreißigtausend Teilnehmer zum Tanzen, ein befreiender Tanz, der bis zum Sonnenuntergang dauert.

 

 

 

 

 

 

 
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