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Nairobi, Stadion von Kasarani, Schauplatz des World Social Forum - Mittwoch, 24. Jänner 2007
Das Weltsozialforum zieht Bilanz und beschließt, in Afrika zu bleiben. Was kann man tun? Heute ist der Tag der Vorschläge. Von Korogocho begibt man sich ins internationale Sportzentrum von Kasarani, einen riesigen Komplex, der zugleich Hauptsitz des Weltsozialforums ist. Es gibt Schranken und Kontrollen am Eingang, man kommt nur mit dem Einschreibungsausweis hinein, der für die Europäer 80 Euro kostet und für die Armen aus den Slums 500 kenianische Schilling (rund 7 Euro), so viel wie ihr Wochenlohn. Dass die Armen Eintritt zahlen müssen, führt zu lauten Protesten der Missionare aus den Elendsvierteln. Hunderte Slumbewohner bedrängen schon seit den ersten Morgenstunden die Absperrungszäune, bis diese nachgeben, Eintrittskarte hin oder her. Also, was kann man tun? Zuallererst aufklären, die Menschen der reichen Länder zu einer anderen Vorstellung von Afrika bringen, jenes schwarzen Lochs im Informationszeitalter. Die Rai hat erst im vergangenen September ein Korrespondenzbüro in Nairobi eröffnet. Dieses ist für den ganzen Kontinent zuständig und beschäftigt einen einzigen Reporter. Laut der Medienbeobachtungsstelle von Pavia wurde in den Nachrichtensendungen der sieben größten öffentlichen und privaten Sender nur 19 Minuten über Afrika geredet. Gerüchte über die Liebschaften der Fußballspieler nahmen 11 Minuten in Anspruch.
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| In Afrika findet auch das nächste Weltsozialforum statt | Der erste gefasste Vorsatz ist, Afrika eine Stimme zu geben. Das werden wir in unserer kleinen Welt in Bozen mit dem Film versuchen, den die Brixner Helios in den Tagen des Weltsozialgipfels dreht, und das vor allem außerhalb des Gipfels: Stunden um Stunden mit Aufnahmen, Interviews, Geschichten, um von einem anderen Afrika zu erzählen und von einer anderen, nicht väterlichen Methode, um Afrika zu helfen. Der zweite Auftrag ist, die Investitionen der Regierungen in die internationale Solidarität zu erhöhen, gemäß der Forderung der Uno, mindestens 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der reichen Länder für diesen Zweck zu geben. Wir sind alle weit entfernt von diesem Ziel. Die italienische Delegation stellt der Regierung ein Ultimatum: Im nächsten Haushalt muss dieser Betrag ausgewiesen sein. Das Ultimatum hat eine genaue Frist, den 7. Oktober, den Tag, an dem das Haushaltsgesetz eingereicht wird. Am Tag danach findet der Friedensmarsch von Perugia statt: Wer daran teilnimmt, wird das Verhalten der Regierung beurteilen und er wird nicht gnädig sein. Pater Alex Zanotelli macht seiner Enttäuschung über eine Regierung Luft, die er eigentlich als freundlich einstuft: Die Erhöhung der Militärausgaben und die Genehmigung für den Ausbau der amerikanischen Militärbasis bei Vicenza verzeiht er ihr nicht. So wie er jenen Gemeinden nicht verzeihen kann, die das Wasser privatisieren, jenes Allgemeingut, das in öffentliche Hände gehört und zu dem jeder Zugang haben muss, überall auf der Welt. Das vierte Vorhaben ist die dringende Intervention Europas für einen Frieden in Nahost. Das fünfte ist eine Reform der Vereinten Nationen, die sie aus der Ohnmacht erweckt, und die Gründung ziviler Friedenskorps, die bei Konflikten eingesetzt werden können. Den wichtigsten Vorsatz verkündet Chico Whitaker, der Brasilianer im internationalen Sekretariat des Weltsozialforums, mit dem ich mich am Rande des Seminars über die "living alternatives". Das nächste Weltsozialforum wird wieder in Afrika stattfinden, in einer anderen großen Metropole dieses letzten aller Kontinente. Es ging nämlich das Gerücht um, dass sich das Forum nach Europa verlagern würde. "Zu welchem Zweck?", fragt Whitaker lachend. Ich atme auf. Wir beginnen also eine neue Phase. Die erste Phase, die südamerikanische, entstand im Fahrtwind der neuen brasilianischen Regierung von Lula da Silva. Zur Zeit sind wir in der afrikanischen Phase, denn das Forum nützt vor allem der Bevölkerung des Austragungsortes, soll ihr Selbstbewusstsein, Mut und Kraft geben. Heute ist Afrika der Ort, der diese Saat am meisten benötigt, der am meisten ausgebeutete und verzweifelte Ort, wo die "Atombombe des Zorns der Armen" gezündet wurde, wie es Pater Zanotelli ausdrückt. Wenn wir nichts tun, wird sie früher oder später hochgehen.
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