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Meran 1991

Die erste gemeinsame Sitzung der Landtage von Südtirol, Tirol, des Trentino und Vorarlbergs, deren Planung vom Südtiroler Landtag am 5. Juni 1990 beschlossen worden war, fand am 21. Mai 1991 unter dem Vorsitz der damaligen Landtagspräsidenten Rosa Franzelin Werth (Südtirol), und der damaligen Landtagspräsidenten Carl Reissigl (Tirol), Pierluigi Angeli (Trentino) und Bertram Jäger (Vorarlberg) statt. Auf der Tagesordnung dieser ersten als "Vierer-Landtag" bezeichneten Sitzung stand die Verabschiedung von zwei Resolutionen, und zwar einer Resolution über eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit der vier beteiligten Länder sowie einer Resolution über das sogenannte "Accordino", das heißt der im Gruber-Degasperi-Abkommen festgehaltenen Regelung über den erleichterten Warenaustausch zwischen den österreichischen Bundesländern Tirol und Vorarlberg sowie der Region Trentino/Südtirol. Die politisch bedeutsamere Regelung war natürlich jene über eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit der vier Länder. Im entsprechenden Begleitbericht hieß es unter anderem, dass die lange gemeinsame Tradition demokratischer Selbstverwaltung der vier anwesenden Länder einen Reichtum und ein Ideal darstellen, die nicht nur erhalten, sondern unbedingt weiter ausgebaut werden müssten. Dazu gehörten das friedliche Zusammenleben der Sprachgruppen, die Zusammenarbeit und die Solidarität, die regionale Selbstverwaltung und die Achtung des Individuums. Eventuelle zwischen den einzelnen Ländern bestehende Unterschiede sollten nicht zu Konflikten führen, sondern als gegenseitige Bereicherung auch für die kulturelle, wirtschaftliche und soziale Besserstellung genutzt werden. Die Aufgabe der vier Länder Südtirol, Tirol, Trentino und Vorarlberg musste es deshalb sein, geeignete Initiativen zur Aufwertung der sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Ressourcen zu ergreifen und dadurch zu einem Wegbereiter für ein zukünftiges geeintes Europa, in welchem die regionale Dimension eine größere Rolle spielen sollte, zu werden.

Im Zuge der aus 9 Punkten bestehenden Resolution, in welcher zwar vorwiegend allgemein, aber einige auch bereits konkret gehaltene Absichtserklärungen über eine verstärkte Zusammenarbeit der vier Länder ihren Niederschlag fanden, wurde unter anderem den Präsidenten der vier Landtage die Aufgabe übertragen "die hier zum Ausdruck gebrachten Absichten in ihrem Wirkungsbereich zu verfolgen und eine interregionale Kommission einzurichten mit der Aufgabe, die gemeinsamen Sitzungen der Landtage, die zumindest alle zwei Jahre stattfinden sollen, vorzubereiten. Diese Kommission muss die Zusammensetzung der jeweiligen Landtage widerspiegeln." Die Resolution wurde mit 3 Nein-Stimmen, 5 Stimmenthaltungen und dem Rest Ja-Stimmen, also mit großer Mehrheit, genehmigt.