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Kinder- und Jugendanwaltschaft

Kinder- und Jugendanwaltschaft | 27.07.2018 | 09:19

Menschenhandel: schlimmste Form von Ausbeutung

Auch der Südtiroler Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) ist Menschenhandel bekannt. Am 30. Juli ist Welttag gegen Menschenhandel.

Vor allem nicht begleitete ausländische Minderjährige werden Opfer von Menschenhandel. Darauf verweist die Südtiroler Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter anlässlich des internationalen Tages gegen Menschenhandels. Er wird am 30. Juli zum fünften Mal begangen. Allein heuer hat sich die Kija um drei Fälle von Menschenhandel gekümmert.

Ein Jugendlicher aus Somalia kam 2017 nach Südtirol. Seine Mutter, eine Witwe, hat das stärkste ihrer elf Kinder auf die gefährliche Reise nach Europa geschickt, um hier Arbeit zu suchen und die Familie daheim zu unterstützen. Jetzt wird seine Mutter von den Schmugglern bedroht, bei denen sie Schulden gemacht hat, um ihren Sohn in den Norden bringen zu lassen. Ein 16-Jähriger aus Gambia, der in Südtirol lebt, wird von seiner Familie ständig um Geld gefragt. Sein Vater ist blind, ein Bruder körperlich beeinträchtigt und die Mutter unter Einkommensdruck, weil sie Schulden zu tilgen hat. Der Junge ist in eine Schule eingeschrieben. Er möchte unbedingt arbeiten, um für die Familie daheim sorgen zu können. Ein Mädchen aus Nigeria hingegen hat einige Zeit in einer Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge in Südtirol gelebt. Eines Tages ist sie verschwunden. Sowohl die Heimleitung als auch die Kinder- und Jugendanwältin vermuten, dass sie aufgrund der elterlichen Schulden zu Prostitution gezwungen wurde. Niemand weiß, wo sie ist.

„Armut provoziert Gewalt und Ausbeutung“, betont Paula Maria Ladstätter. Junge Menschen auf der Flucht seien am stärksten von Menschenhandel betroffen, sagt sie. Häufig gerieten sie in die Fänge von Schmugglern – oft schon, bevor sie ihre Reise nach Europa antreten. In Italien angekommen, drängen sie auf Arbeit, weil sie Schulden zu tilgen haben, die sie oder ihre Eltern für die Reise aufgenommen haben. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge tun sich sehr schwer, eine Arbeit zu finden. Dafür brauchen sie eine Aufenthaltsgenehmigung. Sind sie noch im Pflichtschulalter, werden sie in eine Schule eingeschrieben. Um schnell Geld zu verdienen, wählen viele gefährliche und oft illegale Wege, die sie in Drogenhandel oder Prostitution führen.

Die ILO (International Labour Organization), die Internationale Arbeitsorganisation und Sonderorganisation der Vereinten Nationen hat in ihrem „Global Report on Trafficking in Persons“ im Jahr 2016 festgehalten, dass 21 Millionen Menschen weltweit von Zwangsarbeit betroffen sind. 28 Prozent davon sind minderjährig: Drei von vier dieser jungen Menschen sind Mädchen. Die Jugendlichen werden als Kindersoldaten, zum Zweck der Zwangsbettelei, der sexuellen Ausbeutung, der Zwangsehe, des Organhandels und der Zwangsarbeit entführt und/oder erpresst. Das italienische Justizministerium hat 2015 mitgeteilt, dass 68 Prozent der jungen Mädchen die unbegleitet nach Italien kommen, zu Prostitution gezwungen werden und Drohungen, körperlicher und sexueller Gewalt ausgeliefert sind. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft unter Tel. 0471 946 050 und per Mail an info@kinder-jugendanwaltschaft-bz.org.

(AM)