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Landesbeirat für das Kommunikationswesen

Landesbeirat für das Kommunikationswesen | 20.10.2017 | 12:24

Medienvielfalt in Südtirol und anderswo

Pluralismus, Minderheiten, Medienförderung – bei einer hochkarätig besetzten Tagung im Landtag gab es Einblicke in die Medienlandschaft Südtirols und anderer Regionen, aber auch Ausblicke und Ankündigungen.

Ein vollbesetzter Landtagssaal bei der Tagung zur MedienvielfaltZoomansichtEin vollbesetzter Landtagssaal bei der Tagung zur Medienvielfalt

Einen Blick auf Medienlandschaft und Medienpolitik in Südtirol und in anderen Regionen bot die Tagung „Medienvielfalt in Südtirol“, die vom Landesbeirat für Kommunikationswesen veranstaltet wurde. Nach einer Begrüßung durch Hausherr und Landtagpräsident Roberto Bizzo – die Tagung fand im (vollbesetzten) Plenarsaal des Landtags statt – und einer Einführung durch Roland Turk, den Präsidenten des Beirats, gab Landeshauptmann Arno Kompatscher einen Überblick über die Medienförderung des Landes – Rai, RAS, Südtirol Heute und Beiträge an private Sender -, schloss für die Zukunft eine Landesfinanzierung für Rai Alto Adige nicht aus und kündigte einen Zusammenarbeit mit Rai Way an, die für einen besseren Empfang sorgen werde.

Vittorio Longati, Direktor der Rai in Bozen, bemerkte, dass es nirgends sonst eine so starke Präsenz des öffentlichen Rundfunks gebe wie in Südtirol. Die rechtliche Vorgabe, dass Minderheitenprogramme nur durch Angehörige dieser Minderheiten gestaltet werden, habe sich bewährt. Auch die italienischen Zuschauer wünschten sich ein lokal gut verankertes Fernsehen. „Je mehr Südtirol im Programm, desto besser“, bestätigte Markus Perwanger, Koordinator von Rai Südtirol, denn die Bindung der Südtiroler zu ihrem Land sei sehr stark. Perwanger berichtete, das das Budget, das sonst für den Einkauf von deutschen Sendungen verwendet wurde, voriges Jahr gänzlich für Südtiroler Produktionen ausgegeben wurde. Er wünschte sich schließlich auch für den Sender Bozen eine dynamische Autonomie. Georg Plattner, Direktor der Rundfunkanstalt Südtirol, gab einen Überblick über Geschichte und Aufgaben der RAS, die mit ihren 1.000 Sendeanlagen an 120 Standorten 99,5 Prozent des Landesgebiets erreicht und auch ein Standbein für Mobilfunk und Glasfasernetz in Südtirol darstellt. Die RAS sendet auch Digitalradio DAB (und schaltet ab 2017 UKW ab) und testet den neuen T2-Stadard fürs Digitalfernsehen. Siegfried Giuliani, Redaktionsleiter von Südtirol Heute, bezeichnete die lokale Nachrichtensendung des ORF als Ergänzung zu den Südtiroler Programmen, aber auch als Brücke zwischen Nord- und Südtirol, da die Sendung auch in Tirol ausgestrahlt wird. Es gebe Pläne, in Zukunft auch eine Berichterstattung über das Trentino einzubauen. Michl Ebner, Verleger und Präsident der Handelskammer, sah in Südtirol, im Vergleich zu ähnlich großen Einzugsgebieten, eine sehr ausgeprägte Medienvielfalt. Diese werde aber durch den Onlinebereich arg bedroht, daher sei Medienkonzentration heute nicht mehr eine Macht-, sondern eine Überlebensfrage. Ebner kritisierte schließlich die Medienförderung des Landes, die zu 90 Prozent den Öffentlichen zugute komme.

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien beaufsichtigt und fördert die privaten Hörfunk- und Fernsehangebote in Bayern, berichtete Johanna Fell, Europareferentin der BLM. Förderschwerpunkte seien Qualität und Lokales. Vincent Augustin, Präsident der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen in der Schweiz, berichtete über die Tätigkeit seiner Behörde, an die Personen oder Betriebe wenden können, wenn sie sich von einer Sendung nicht korrekt dargestellt sieht.

Ivana Nasti von der italienischen Medienaufsichtsbehörde AGCOM ging auf den Minderheitenschutz im Rundfunk ein, der sich mit dem neuen Rahmenabkommen von einem Schutz vor Diskriminierung zu einer aktiven Minderheitenförderung wandeln solle, unter anderem mit Programmen in Minderheitensprachen. Dies sei vor allem für jene Minderheiten wichtig, die nicht so geschützt seien wie die Südtiroler. Enrica Ferri, Giovanni Marzini und Mario Cabasino, Präsidenten der Kommunikationsbeiräte in Aosta, Friaul-Julisch Venetien und Sardinien berichteten vom Minderheitenthema im Rundfunk ihrer Regionen. Während Aosta mangels französischsprachiger Journalisten viele Sendungen aus Frankreich importiert, gibt es in Friaul selbstproduzierte Senungen in Slowensich und bald auch in Furlan, und Sardinien fördert Sendungen in sardischer Sprache.

Filippo Lucci, Koordinator der Präsidenten der regionalen Kommunikationsbeiräte, gab eine Übersicht von der Tätigkeit der Beiräte auch in Zahlen – 40 Mio. Euro wurden im Rahmen der Telefonschlichtungen für die Bürger zurückgeholt –, sah Netzwerke statt Konzentrationen als den richtigen Weg für klassische Medien, um gegen die Internetkonkurrenz zu bestehen, und zeigte auf die neuen Aufgaben, die Internet den Beiräten immer mehr stelle: Webmobbing, Sexting, Cybercrime …


(AM)