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Kinder- und Jugendanwaltschaft

Kinder- und Jugendanwaltschaft | 07.09.2018 | 10:04

Jugendanwältin Ladstätter: „Wir müssen über Depression und Suizid reden.“

Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention. / Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter ruft zum wachsamen Hinschauen auf.

Die Themenpalette der Schwierigkeiten, die sich der Kinder- und Jugendanwaltschaft täglich darlegen, ist breit. Depression und suizidale Gedanken junger Menschen gehören dazu. Dann gilt es schnell und kompetent zu handeln. Jugendliche melden sich, weil sie dem Druck in der Schule nicht mehr standhalten, weil sie den ständigen Streit daheim nicht mehr aushalten, weil sie gemobbt werden und die Schwere im Leben nicht mehr ertragen. „Lasst uns reden“, fordert Paula Maria Ladstätter anlässlich des Welttages der Suizidprävention auf. Sie ist dankbar für das südtirolweite Netzwerk zur Suizidvorbeugung, für die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Meran und ruft die Südtirolerinnen und Südtiroler auf, genau hinzuschauen: Meistens senden Menschen in suizidalen Krisen Warnzeichen aus.

Über Suizid gebe es eine Reihe von Vorurteilen, sagt Paula Maria Ladstätter. Dazu gehöre die irrtümliche Meinung, dass Menschen, die Suizid andeuten, nur Aufmerksamkeit wollten. Wer wirklich daran denke, so heißt es oft, spreche nicht darüber:
“Es gibt zwar Menschen, die sagen, dass ihre Angehörigen ohne sie besser dran seien, sagt die Kinder- und Jugendanwältin. Aber in vielen Fällen seien solche Aussagen ein Signal dafür, dass jemand Suizidgedanken in sich trage. „Diese Menschen haben auf jeden Fall Probleme, die Aufmerksamkeit verdienen“, betont Paula Maria Ladstätter.

Genauso sei es ein Irrtum, dass das Gespräch über den Suizid einen Suizid auslösen könne. Das Gegenteil ist der Fall: Suizidgedanken zu thematisieren und offen darüber zu reden, sei eines der wirkungsvollsten Mittel, um Suizid zu verhindern, unterstreicht die Kinder- und Jugendanwältin. Das wirke für alle Beteiligten entlastend. Einem Suizid gehen immer Vorzeichen voraus. Suizid könne verhindert werden. Auch schwer depressive Menschen – junge wie erwachsene – schwankten häufig zwischen dem Wunsch zu leben und zu sterben. Die meisten möchten nicht sterben, sondern nur, dass ihr Leiden aufhöre, erklärt Paula Maria Ladstätter. Der Impuls, unter allem einen Schlussstrich ziehen zu wollen, gehe vorbei. Sie hat von jungen Menschen, die einen Suizidversuch überlebt haben, mitgeteilt bekommen, dass sie froh seien, weiterleben zu können.

Wenn junge Menschen sich verschließen, nicht mehr reden wollen, Freundschaften aufgeben, sich zu ritzen beginnen, dann sei Gefahr in Verzug, warnt die Kinder- und Jugendanwältin. Sie hört von Hilfesuchenden, dass sie es daheim nicht mehr aushalten, dass sie dem ständigen Streit der Eltern das Leben in einer geschützten Einrichtung vorziehen, dass Schule sie krank mache, Mobbing und Übergriffigkeiten nicht mehr zu ertragen seien. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist dann gefordert, schnell die richtigen Schritte zu ergreifen: Sie arbeitet mit SozialassistentInnen, Jugendstaatsanwaltschaft, Jugendgericht und Familienberatungen zusammen, ist mit PsychologInnen und PsychiaterInnen in Kontakt. Eine gut abgestimmte Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Diensten sei das Um und Auf in solchen Fällen.

Paula Maria Ladstätter appelliert gleichzeitig an die Bevölkerung, sich der Not junger Menschen nicht zu verschließen, nicht zu glauben, dass Leute, die an Suizid denken, keine Hilfe annehmen wollten.
Allein seien sie nicht mehr imstande, nach Wegen aus der Krise zu suchen, sagt die Kinder- und Jugendanwältin. Darum denken sie in der akuten Situation, Suizid sei die einzige Lösung. Es fehle ihnen die Kraft, von sich aus mit Menschen in Kontakt zu treten, die sie unterstützen könnten. „Schauen wir hin. Reden wir mit den jungen Leuten. Fragen wir nach und haben wir keine Angst davor, schwierige Themen anzusprechen.“ Besser sei es nachzufragen, als gar nicht zu reagieren. Sie kann mit dem Vorurteil, wer sich töten wolle, müsse verrückt sein, nichts anfangen: Suizidgedanken seien eine menschliche Reaktion auf große oder lang andauernde seelische Schmerzen und auf einen hohen Leidensdruck.


Die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist für Minderjährige in schwierigen Situationen da. Sie ist unter Tel. 0471 946 050 und per Mail unter info@kinder-jugendanwaltschaft-bz.org zu erreichen.

(KJA)