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Kinder- und Jugendanwaltschaft

Kinder- und Jugendanwaltschaft | 13.07.2018 | 09:23

Junge Menschen: kompetent in die Zukunft

Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter plädiert anlässlich des heutigen 3. Welttags des Kompetenzerwerbs junger Menschen für mehr Förderung für junge Menschen.

Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria LadstätterZoomansichtKinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter

Einer von elf Jugendlichen in Südtirol zwischen 15 und 24 Jahren geht keiner Arbeit nach, studiert nicht, macht keine Lehre und auch keine anderweitige Ausbildung. Wenn sich Politik, Wirtschaft, Schule und Soziales nicht um diese wachsende Gruppe kümmern, könne das zu einem Bumerang für die Gesellschaft werden, betont Südtirols Kinder und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter. Laut einer aktuellen Astat-Studie sind auch viele junge Menschen aus eingewanderten Familien betroffen.

Es gibt in allen europäischen Ländern Studien zu Jugendlichen, die von Perspektivlosigkeit betroffen sind, im Durchschnitt betrifft es fast ein Drittel aller jungen Menschen in Europa. Dabei fällt der Wert für Südtirol mit 8,8 Prozent vergleichsweise niedrig aus: Im italienischen Staatsgebiet liegt der Anteil bei 40,3 Prozent. In absoluten Zahlen betrifft es in Südtirol 5.100 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren (Daten: Jugendstudie – Werthaltungen, Lebensformen und Lebensentwürfe der Südtiroler Jugend 2016, Landesinstitut für Statistik der autonomen Provinz Bozen). Für Paula Maria Ladstätter ist das kein Grund zur Beruhigung. Die soziale Ausgrenzung dränge junge Menschen an den gesellschaftlichen Rand und sei mit Armut, Suchtgefahr und Gewaltpotenzial verbunden.

Häufig kommen diese jungen Menschen aus prekären Elternhäusern, erleben daheim keine Unterstützung und keinen Ansporn, sich weiterzubilden oder finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. „Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit sind das Schlimmste, was jungen Menschen passieren kann“, sagt Paula Maria Ladstätter.

Das Landesinstitut Astat hat im vergangenen Jahr erhoben, dass vor allem Jugendliche aus eingewanderten Familien, die in erster oder zweiter Generation in Südtirol leben, von Armut und Ausgrenzung betroffen sind. Dort sei dringend anzusetzen, fordert die Kinder- und Jugendanwältin: „Da wachsen junge Menschen heran, die nicht gleichwertig am Leben teilhaben können. Sie entwickeln Aggressionen und fallen negativ ins gesellschaftliche Gewicht.“ Insgesamt bräuchten junge Menschen Gesprächsangebote in Schulen, motivierte Jugendarbeiter und Streetworker und Information auf Augenhöhe, betont Paula Maria Ladstätter.

Für nicht begleitete ausländische Minderjährige fordert die Kinder und Jugendanwältin, dass sie sofort in eine Schule integriert werden: Dort lernen sie nicht nur die Sprache und die einzelnen Fächer kennen, sondern auch kulturelle Gepflogenheiten.

Paula Maria Ladstätter verweist außerdem auf Schulverweigerer und Schulabbrecher: Es sei erwiesen, dass junge Menschen, die gut ausgebildet sind, sich auf dem Arbeitsmarkt leichter tun. Ladstätter ist überzeugt, dass sich durch das Einbinden bildungsferner Familien künftige Armut vermeiden lasse: „Wir brauchen noch mehr Informations- und Beratungsgespräche in Mittelschulen“, sagt sie. In Berufsberatung könne nie genug investiert werden. Auch in den ersten beiden Oberschuljahren finde noch großer Wechsel und Unsicherheit statt. Junge Menschen bräuchten Anlaufstellen und kompetente Gegenüber.

Die Pubertät bringe große Veränderungen, aus manchen Krisen können sich Jugendliche nicht allein befreien. Obwohl es früher noch verpönter gewesen sei, psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen, sei es für manche Menschen auch heute noch ein Tabu, erfährt Paula Maria Ladstätter bei der Arbeit immer wieder. Auch da gelte es anzusetzen. Mobbing und Gewalt an den Schulen müsse ernst genommen und sofort professionell angegangen werden. Da die Situationen oft sehr herausfordernd seien, bräuchten auch Lehrpersonen begleitende Weiterbildung und Unterstützung.

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Arbeitslosigkeit und fehlendes Engagement unter Jugendlichen sind ein weltweites Problem. Zu den Gründen zählen fehlende Fähigkeiten und mangelndes Wissen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Eine wichtige Aufgabe des Welttages für den Kompetenzerwerb junger Menschen (wird seit 2015 jeweils am 15. Juli begangen) besteht darin, Jugendliche aufzuklären und mit der Einsetzung entsprechender Programme ihren Kompetenzerwerb zu fördern. Jungen Menschen soll die Möglichkeit eröffnet werden, Entscheidungen informiert und selbstständig zu treffen. Bessere sozioökonomische Bedingungen sollen daraus entstehen.

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Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft unter Tel. 0471 946 050 und per Mail an info@kinder-jugendanwaltschaft-bz.org.


(KJA)